Großes Orchester des Musikvereins beim Dreikönigskonzert 2018 in Bestform.

 

Dirigent Vichan Molerov wusste mit seinen Musikern zu begeistern.

Tanja Köstler, die erste Vorsitzende des Musikvereins Köngen, konnte die Musikliebhaber in der vollbesetzten Kirche „Zum guten Hirten“ herzlich willkommen heißen. Das Traditionskonzert des Musikvereins bietet eine gute Möglichkeit nach den vergangenen turbulenten Tagen das „Draußen“ zu vergessen und der Musik zu lauschen.

Der katholischen Kirche, vertreten durch Frau Seneca, sprach sie ihren Dank für die Überlassung der Räumlichkeiten aus. Mit dem diesjährigen Dreikönigskonzert setze man die erfolgreiche Zusammenarbeit im dritten Jahr mit dem Kapellmeister Vichan Molerov fort.

Blitzende Bläserklänge

Mit „Flashing Winds“, einer sinfonischen Skizze, eröffnete das große Orchester farbenreich, dynamisch und effektvoll den Konzertabend. Dirigent Vichan Molerow hatte eine Originalkomposition für Blasorchester  ausgewählt, welche in der Oberstufe angesiedelt ist. Blitzende Bläserklänge, gepaart mit starker Rhythmisierung der Kesselpauken und häufigem Taktwechsel forderten von den  Musikern des großen Orchesters höchste Konzentration. Mit fachkundigen Hintergrundinformationen würzte und ergänzte Jürgen Wolpert die einzelnen Musikstücke und regte so die Fantasie der Zuhörer an.

Heimkehr mit Hindernissen

Er war der Sagenheld der griechischen Antike, König von Ithaka, kämpfte gegen Troja. Seiner List verdankten die Griechen nach zehnjähriger Belagerung den Sieg. Doch bis er zu seiner Frau Penelope und seinem Sohn Telemachos zurückkehren konnte, vergingen weitere zehn Jahre.

Kees Vlak hat über die Irrfahrten des Odysseus ein faszinierendes Werk für großes Blasorchester geschrieben.

Wuchtige Beckenschläge, untermalt von Trommelwirbeln, wurden von kurzen Signalen des Holz- und Blechregisters durchwirkt. Eine Klarinettenkadenz, sehr gefühlvoll von Chiara Miroll interpretiert, entführte in die geheimnisvolle Welt des Meeresgottes Poseidon. Eine orientalische Tonfolge, die in einen Sirtaki-Teil mündete, beschrieb das Abenteuer mit dem einäugigen Riesen. Bei zunehmendem Tempo musste das Holzregister technische Schwerstarbeit leisten. Eine lyrisch-malerische Melodie von den Hörnern übermittelte eine Botschaft des Götterboten Hermes. Der süße Honigwein der Zauberin Circe hatte keine Wirkung auf die Musiker. Sie ließen sich nicht becircen und spielten unbeirrt mit gedämpften Trompeten ihren Part. In einem grandiosen „Maestoso Brillante“ kehrte Odysseus in seine Welt Heimat des Olympus und der Athene zurück.

Mit “Return to Ithaka“  gelang Dirigent Vichan Molerov mit seinen Musikern eine glanzvolle, überzeugende Aufführung, die mit begeisterndem Beifall belohnt wurde und sicher zu den Höhepunkten des Konzertabends zählen durfte.

Ein Klingendes Rohrblatt und tönendes Metall-Mundstück

Mit dem Song: „My Secret Lovesong“, einem Liebeslied, präsentierten sich als Solisten Niklas Polzien an der Trompete und sein Bruder Marius an der Bassklarinette. Mit Zartheit und lieblichem Vortrag gaben sie der Melodie den passenden Inhalt. Das Orchester agierte als einfühlsamer Begleiter. Diese getragene, emotionale Melodie verfehlte im stillen Kirchenraum ihre Wirkung auf das Publikum nicht und die zwei Solisten wurden mit starkem Beifall belohnt.

Böhmische Myten und Legenden

„Die Moldau“ aus dem Zyklus „Mein Vaterland“ ist ein wunderbares musikalisches Portrait dieses Flusses, der durch Bedrich Smetana’s geliebtes Prag fließt und als Auszug zu hören war. Zunächst erklang ein quicklebendiges Flötenthema und beschrieb die beiden Quellen  des Flusses. Das feine Gekräusel auf der Wasseroberfläche wurde vom hinzukommenden Holzregister interpretiert. Man hörte ganz deutlich das Plätschern der Quelle, wie sie aus dem Berggestein hervorsprudelt. Gedämpfte Trompeteneinwürfe setzten leichte Schaumkronen auf. In der Folge war das recht eindringliche bekannte Motiv zu hören. Die einzelnen Register suggerierten durch ihre Einsätze, dass der Bach immer größer wurde und schließlich zum riesigen Strom anschwoll, der durch die tschechische Hauptstadt fließt.

Simba wird erwachsen

Seit 2001 läuft das Musical „König der Löwen“ in Hamburg und feierte 2014 seine 5000. Aufführung. Die markante Melodie „Circle of Live“ von Elton John hielten die Musiker für ihre Gäste bereit. In die Sonne blinzeln, leben und leben lassen, auch einen Sprung ins Ungewisse wagen und einen Platz im Kreislauf des Lebens finden war die wohltönende Botschaft. Dieses Stück verfehlte seine Wirkung auf die Zuhörer nicht und wurde eifrig beklatscht.

Gänsehautmomente und wohliges Gruseln beim Tanz der Vampire

In das Reich von Fledermäusen und Säugetiergruppen, die sich vom Blut ernähren, entführte bissfest, aber völlig unblutig das große Orchester. Mit wuchtig tönenden Akkorden und markanten Motiven luden die Vampire zum Tanz ein. Die Hörner spielten den imaginären fahlen Mond am Himmel mit drückenden Tonschwaden an, und Graf Krolock trieb unter Verwendung düsterer Klangbilder sein Unwesen. Wolfgang Wössner ist mit seinem Arrangement eine wunderschöne Abwechslung zwischen den großen orchestralen Passagen, den ruhigen Balladen und den rasanten Rockteilen gelungen. Auch ohne Knoblauch überstanden die Zuhörer dieses musikalische Abenteuer mit Bravo-Rufen und heftigem Beifall.

Mit beschwingter Heiterkeit

Der portugisische Komponist Francisco Marques Neto hat mit seinem Gespür für Klangfarben einen neuen Marschtypus konzipiert, der dem strengen preusischen Reglement wohltuend gegenübersteht.

Mit seinem Marsch „O Vitinho“ beendeten Dirigent Vichan Molerov und seine Musiker das offizielle Programm dieses Dreikönigskonzert des Musikverein Köngen. Tanja Köstler richtete ihren herzlichen Dank an Dirigent und Damen und Herren des Orchesters, an Moderator Jürgen Wolpert und an die Konzertbesucher. Der nicht enden wollende Beifall des Publikums erwies sich als deutliche Forderung nach einer Zugabe. Mit den besten Wünschen für das kommende Jahr verabschiedete man die Zuhörer, die sich erst nach zwei Zugaben zufrieden zeigten. Das Orchester des Musikvereins unter der Stabführung von Dirigent Vichan Molerov konnte an diesem Abend alle Register ziehen. Beachtlich waren vor allem der Gesamtklang des Orchesters sowie die präzisen Einsätze und dynamischen Abstufungen. Bemerkenswert war auch, was das Holzregister, hohes und tiefes Blech und die Rhythmusgruppe an technischem Können und tonlicher Brillanz wiedergab.

Manfred Wondra